Existenzielle Krisen, eine volatile und sich verändernde Geo- und Zollpolitik, wachsende Komplexität, Unsicherheit durch technologische Disruption, niedrige Wachstumsprognosen – all diese und noch viele weitere Themen beschäftigen Gesellschaft und Organisationen.
Weil viele Branchen und Unternehmen zunehmend um ihr Bestehen am Markt kämpfen müssen, arbeiten viele Organisationen seit Jahren im kontinuierlichen Transformationsmodus, um sich an die sich stetig verändernden Marktgegebenheiten anzupassen. Dauerhafter Druck kann auch Konsequenzen auf die Unternehmenskultur haben. Denn während das Management stärker denn je den Fokus auf die Zahlen und die Performance ausrichtet, fehlt es Mitarbeitenden aufgrund des enormen Transformationsdrucks – der für die Unternehmen aber essenziell ist – oft an Orientierung, Sicherheit und Motivation.
Es ergibt sich ein Spannungsfeld zwischen den Bedürfnissen von den Mitarbeitenden und dem Unternehmen, das vor allem durch das C-Level, teils auch durch das mittlere Management repräsentiert wird: Die Wahrnehmung von wirtschaftlichen Realitäten und die Erwartungen werden immer konträrer zueinander. Beide Welten driften zunehmend auseinander: Der „Gap“ zwischen Führungskräften und Mitarbeitenden verstärkt sich und die Bindung nimmt ab. Dies ist schon längst nicht mehr nur eine gefühlte Wahrheit, sondern mit Studien belegbar.
Der Gallup Engagement Index Deutschland 2025 zeichnet ein deutliches Bild:
- Nur 10 % der Mitarbeitenden fühlen sich emotional an ihr Unternehmen gebunden. 77 % machen „Dienst nach Vorschrift“.
- 27 % der Mitarbeitenden vertrauen der Geschäftsführung ihres Unternehmens. Nur 18 % fühlen sich von der Geschäftsleitung für die Zukunftsfähigkeit ihres Unternehmens begeistert.
Das sind alarmierende Ergebnisse. Denn Führung ist der stärkste Treiber für Employee Engagement oder eben auch die häufigste Ursache für (innere) Kündigung. Zudem ist die Basis einer jeden Zusammenarbeit Vertrauen. Wenn erst einmal Misstrauen da ist, ist eine zunehmende „Entfremdung“ nicht auszuschließen.
Die Folgen für Unternehmen sind drastisch und kommen oft teuer zu stehen. Um hier nur einige Auswirkungen zu nennen:
- Steigende Fluktuation
- Steigende Fehlzeiten
- Sinkende Motivation, die teils bis zur „inneren Kündigung“ führen
- Sinkende Arbeitgeberattraktivität
- Sinkende Produktivität und Innovationskraft
- Veränderung der Unternehmenskultur
- Schlechtere Kundenbewertungen
Wenn Organisationen dieses Signal erkennen, ist das ein klarer Auftrag an alle Führungskräfte – und das geht über das C-Level hinaus – wieder Brücken zu bauen, um das Unternehmen gemeinsam durch die aktuell herausfordernden Zeiten zu lotsen.
Einer der stärksten Hebel ist dafür die Führungskommunikation – darauf müssen C-Level und mittleres Management nun ihren Fokus legen.
Das braucht es jetzt konkret:
Transparenz & Klarheit
Das ist die Basis jeder Führungskommunikation. Nur wenn Entscheidungen, Strategien und Prioritäten transparent kommuniziert werden, sind diese nachvollziehbar, können verstanden werden und in der Konsequenz auch danach gehandelt werden.
Transparenz gibt Orientierung und Sicherheit, stärkt das Vertrauen und erklärt Zusammenhänge sowie Ressourcenallokationen. Was oft bei Transparenz vergessen wird: Sie kann auch schmerzhaft für alle Beteiligten sein. Um das richtig aufzufangen, sind auch hier Kommunikationskompetenzen gefragt. Das bringt uns zur nächsten Maßnahme:
Dialog & 360 Grad Feedback
Es braucht Gelegenheit für Rückfragen und Feedback – sowohl persönlich als auch digital. Das können Townhalls, Q&A Sessions, digitale Communities, Lunch Dialoge u.v.m. sein. Rückmeldungen sollten dabei nie nur in eine Richtung gehen. Nur so kann voneinander gelernt, miteinander gewachsen und die Bindung gestärkt werden. Die Mitarbeitenden möchten mit ihren Sorgen und Ängsten gehört und ernst genommen werden. Dafür ist auch der nächste Punkt unerlässlich:
Aktives Zuhören & Perspektivwechsel
In unserer schnelllebigen Zeit ist dies eins der wertvollsten und wertschätzenden Gesten, die wir anderen Menschen schenken können. Ehrlich gemeintes Zuhören stärkt Bindung und Vertrauen. Ein offenes Ohr anbieten und die Perspektive des Gegenübers einnehmen – das ist eine Wohltat für gegenseitiges Verständnis und vertrauensvolle Zusammenarbeit.
Bei all der sachlichen Klarheit, die es in Botschaften insbesondere in der Transformation braucht, sollte immer auch ein Verständnis für Sorgen, Ängste und Unsicherheiten einen Raum bekommen: Trotz aller Kennzahlen ist es wichtig nah an den Menschen zu bleiben. Daher funktioniert Kommunikation auch nur, wenn beides stimmt: Klare, sich wiederholende Botschaften sowie der persönliche Austausch.
Last but not least: Nichts untergräbt Kommunikation stärker als ein Widerspruch zwischen Wort und Tat. Die Führungskräfte müssen konsequent darauf achten, hier kongruent zu bleiben.
Die Zeiten sind und bleiben herausfordernd für Gesellschaft und Organisationen – umso wichtiger ist, dass Brücken bestehen bleiben oder schnellstmöglich wieder aufgebaut werden. Denn Führungskräfte können nur mit ihren Mitarbeitenden zusammen im Team die herausfordernden Transformationen meistern.